Delanta 78 Test

Auf einen Blick

Gut

Schlecht

Sehr viel Wind bescherte uns der Wettergott, als wir bei der Dehler Marina zum Test der Delanta 78 antraten. Gute sechs Beaufort in Böen etwas mehr fegten über die Lübecker Bucht, das richtige Wetter also, eine kleine Yacht auf Herz und Nieren zu testen.

Wir hatten uns schon vorher die neue van de Stadt/Dehler Konstruktion auf der Hamburger Premiere ansehen können und waren bereits auf dem Trockenen von den vielen ausgefeilten Ideen des Schiffes angetan. Wie auch bei anderen Yachten des Hauses Dehler, hat die Linien van de Stadt gezeichnet, das Innenleben dagegen stammt von Willi Dehler. Wenn es stimmt, daß der Teufel im Detail steckt, dann kann man Willi Dehler getrost als Teufelsaustreiber bezeichnen. Obwohl unser Testschiff der Prototyp war, ist an der Bauausführung fast nichts zu bemäkeln.

Das 7,8 Meter lange Schiff macht unter Deck einen sehr geräumigen Eindruck, nicht zuletzt deswegen, weil wir zunächst keinen Tisch entdecken konnten. Des Rätsels Lösung fanden wir unter den Vorschiffskojen. Sauber auf zwei Schienen geführt, läßt sich hier ein großer Salontisch hervorziehen. Ein ausklappbares Bein gibt den nötigen Halt. Gerade auf kleinen Schiffen ist dies eine hervorragende Lösung, denn längst nicht immer wird beim Segeln der Tisch gebraucht. Einmal weggeschoben, hat man viel Bewegungsfreiheit.

Das direkt an den Salon angrenzende Vorschiff wird durch eine zweigeteilte Klapptür separiert, die im Grunde nur beim Schlafen geschlossen werden muß. Die Liegefläche ist hier etwa 2,10 Meter lang und zwei Meter breit. Seitlich unter Deck befinden sich Netze, in denen viel Kleinzeug gestaut werden kann. Licht und Luft kommen durch ein Klappluk. Als Fluchtluk ist es allerdings zu klein geraten.

Auf den zwei Meter langen Längskojen im Salon können bequem sechs Personen sitzen, genügend Kopf und Fußfreiraum ist vorhanden. Die Rückenlehnen sind gepolstert und können zur Kojenverbreiterung hochgeklappt werden. Angrenzend an den Salon befindet sich an Steuerbord der WC Raum, ihm gegenüber die Pantry. Es ist immer ein Problem, in einem knapp acht Meter langen Schiff einen akzeptablen Waschraum unterzubringen. Die hier von Dehler beschrittene Lösung scheint zur Zeit ein Optimum darzustellen, wie es auch von mehreren anderen namhaften Werften praktiziert wird. In diesem Bereich einer Yacht hat man nämlich Stehhöhe und genügend Breite. Ein elektrischer Absaugventilator bringt die Luft vom WC Raum direkt nach außen. In unserem Testboot war ein Chemie WC installiert, auf Wunsch wird aber auch eine Spültoilette geliefert. Das Waschbecken mit Zu und Ablauf ist seitlich wegklappbar.

Die Pantry ist mit einem zweiflammigen Kocher und einer Spüle aus rostfreiem Stahl ausgestattet, die Gasanlage des Kochers vorbildlich installiert die Gasflasche sitzt in einem separaten selbstlenzenden Nirobehälter unterhalb der Sitzducht im Cockpit. Von hier aus führt eine massive Kupferleitung bis zur Pantry, wo noch ein Absperrventil im direkten Griffbereich liegt. Gut gelöst ist auch die Lüftung im Salon. Die Schiebelukgarage ist so gestaltet, daß die Luft durch eine große Öffnung in der Decke entweichen kann.

Noch nicht sehr gut ist hingegen die Einstiegmöglichkeit in die Hundekoje. Nach Aussagen der Werft will man hier mit der Umgestaltung der Pantry und einem zusätzlichen Handgriff eine bessere Lösung schaffen. Mit der Hundekoje hat die Delanta 78 fünf Schlafplätze. Wir meinen allerdings, daß das Schiff mit nur vier Personen auf längeren Törns besser besetzt ist. Alle Holz und GFK Ausführungen unter Deck sind fast makellos. Viel Holz und eine gute farbliche Abstimmung tragen zur Gemütlichkeit bei.

 
   
Eine gelungene Linienführung und gute Segeleigenschaften zeichnen die neue Delanta 78 aus. Ab etwa fünf Beaufort muß das Groß gerefft werden.

Das Cockpit ist ebenfalls für eine vierköpfige Crew ausgelegt. Auch hier saubere Verarbeitung aller Details. Für sehr lange Beine ist allerdings der Fußraum zwischen den Duchten etwas schmal geraten. Besonders bei viel Lage wird die Fußabstützung dann ermüdend.

Sehr gut dagegen die große Klappe für die Motorwartung. Von hier sind alle wichtigen Aggregate schnell zu erreichen. Eine dicke Gummidichtung verhindert das Eindringen von Wasser. Gut auch hier die Lösung der Lenzrohre aus Metall, die bis über die Wasserlinie reichen und erst dann in Schläuche übergehen. Auf diese Weise kann man auf Seeventile verzichten.

Wir erwähnten schon eingangs den kräftigen Wind am Testtage. Also banden wir vor dem Start ein Reff ins Großsegel und setzten dazu die schmal geschnittene Selbstwendefock. Schon nach den ersten Schlägen merkten wir, daß bei dem böigen Wind das Segeltragevermögen gerade an der Grenze lag. Ein weiteres Reff im Groß hätte sicherlich die Geschwindigkeit nicht beeinflußt, aber weniger Lage beschert. Doch wir wollten ja sehen, wo die Grenzen der Yacht liegen. Das Klinometer zeigte am Wind durchschnittlich 35 bis 40 Grad Lage an; etwa bis zur Scheuerleiste krängte das Schiff weg. Die Luvgierigkeit hielt sich bis zu diesem Wert in normalen Grenzen. Erst beim Einfallen von schweren Böen kam Wasser in Lee an Deck, und die Luvgierigkeit nahm stark zu. Aber schon durch Auffieren des Großsegels hatten wir das Schiff wieder sicher im Griff. Mit zwei Mann auf der hohen Kante liefen wir zwischen fünf und fünfeinhalb Knoten, mit einem Schrick in den Schoten und gut ausgetrimmt sechs Knoten und raumschots sogar sechseinhalb.

Die theoretische Rumpfgeschwindigkeit beträgt genau sechs Knoten. In Relation dazu ist das Geschwindigkeitspotential der Delanta 78 sehr gut.

Die Selbstwendefock funktionierte einwandfrei; der kugelgelagerte Traveller lief ohne Rucken über. Auch der Radius der Travellerschiene war richtig gewählt. Die optimale Höhe am Wind liegt etwa bei 38 bis 40 Grad, je nach Seegang. in unserem Fall liefen wir wegen der Welle etwas voller. Spritzwasser kam aber nur sehr selten bis ins Cockpit. Lediglich die Männer auf der hohen Kante trugen ihr Ölzeug zweckentsprechend.

 
   
An dem langen Ausziehtisch können vier bis sechs Personen bequem sitzen. Eine praktische Pinnenarretierung, die dem Rudergänger freie Hand läßt.

Die Pinne ist richtig dimensioniert und hat einen variabel einstellbaren Feststeller. Gut ausgetrimmt kann man sie dann kurzzeitig loslassen. Rigg, Reling und Beschläge an Deck sind durchweg in Ordnung. Lediglich den Großschotblock wünschten wir uns etwas höher.

Der Motorraum ist sehr gut von oben zugänglich - alles leicht erreichbar.

Das Fahren unter Maschine zeigte ebenfalls gute Werte. Auch hier die fast jollenartige Wendigkeit; eine Vollkreisdrehung fuhren wir in zwölf Sekunden und blieben dabei unter einer Schiffslänge Drehkreisdurchmesser. Für den Stoppweg braucht man etwa zwei Schiffslängen ein angemessener Wert für einen Faltpropeller. Den Motor kann man schon fast leise nennen. Selbst bei Vollast ging das Meßgerät im Salon nicht über 76 dB (A). Der Zweizylinder Farymann mit 10 PS (7,36 kW) reicht für das Schiff absolut aus, um die Rumpfgeschwindigkeit zu erreichen. Besonders gute Fahreigenschaften selbst bei Rückwärtsfahrt auch bei Wind kann man jeden gewünschten Kurs einschlagen und paßgenau "einparken".

Durch herausnehmbare Kielsegmente kann das Schiffsgewicht auf 1400 kg reduziert werden; damit ist die Delanta 78 noch trailerbar

Die Delanta 78 ist eine bis ins Detail durchdachte und ausgereifte kleine Segelyacht für vier Personen. Der im Handauflegeverfahren hergestellte Rumpf ist durch Verwendung von KevIar vorteilhaft leicht zum Trailern. Die Segeleigenschaften sind sehr ausgewogen. Mit Recht kann die Delanta 78 unsere Auszeichnung mit fünf Sternen tragen.

Testbericht. Michael Naujok

Länge üb Breite 2,48 m; Tiefgang 1, 15 m; Verdrängung 1600 kg, Ballast 690 kg; Ballastanteil 43 % Großsegel 15 M2 Genua 16,8 M2 Taklungsart Slup 718 Maschinentyp Farymann P: 7,35110 kW/PS bei 3000 U/min Tankkapazität 45 1 Theoretische Rumpfgeschwindigkeit (2,43 vLWL 6,0 kn Länge/Breite Verhältnis 3,1511 Verhältnis 2 vSegeifläche / 3vVerdrängung 4,8211 Verhältnis Segelfläche / (LWL x BWL) 2,6111; Windgeschwindigkeit beim Test 6 Beaufort Höhe am wahren Wind 38° Testgeschwindigkeit. am Wind 5,3 kn vorm Wind 6, 0 kn raumschots 6,5 kn
  
 Testboote werden uns für kurze Zeit überlassen. Deshalb können wir nur Fahreigenschaften, Ausrüstung und Ausbauqualität beurteilen. Auch unser Gesamturteil oder Prädikat bezieht sich nur auf die oben genannten Punkte
  

 

Created by Kristof Eickstädt Nov 2003
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